Groupon? Dann folgen Sie mir …

Thomas BrodowskiE-Business, E-Commerce

Sonntag der 19.11.2011 sollte ein weiteres kulinarisches Highlight in unserer diesjährigen Vorweihnachtszeit werden. Über Groupon hatten wir dazu, vor 6 Wochen einen Gutschein für ein 3 Gänge-Menü Gansessen in Langwedel im Stil „pay one get two“ erworben.

18,50 Euro … Schnäppchen wie wir meinten.

Das Restaurant in Langwedel – gediegen, ländlich gelegen, wunderbares Ambiente in einem Kloster und mit vielen guten Empfehlungen in zahlreichen Foren überwiegend positiv gelobt. Soweit so gut. Angekommen wurde sehr schnell klar, wo der Frosch die Locken trägt. „Sie haben reserviert? Groupon?“ – „äh Ja!?“ – „Dann folgen Sie mir …“. Aus der geselligen und mit Leben gefüllten gemütlichen Atmosphäre des klösterlichen Schankraumes ging es in schnellen Schritten in den nahe gelegenen Frühstücksraum des angeschlossenen Hotelbetriebes. Groß, kalt, nüchtern … Platz für 40-50 Personen – ein paar weitere „verlorene“ Gäste und von der in der Ecke montierten Kanzel plärrt ein Radiorekorder der späten 90er WDR4 Unterhaltungsmusik.

Abgeschoben fühlend lauschten wir den geselligen Klängen und Treiben aus dem nahen  Schankraum – um es vorweg zu nehmen: Nein ein Umzug war nicht drin, die Plätze im Schankraum alle reserviert (mmmh, hatten wir eigentlich auch!) De facto waren wir schon jetzt leicht frustriert und stellten uns die Frage: Was, wenn wir „normal“ einen Tisch reserviert hätten? Na komm, es geht ja in der Hauptsache ums Essen. Das kam auch, in zügiger Reihenfolge. Suppe, die Gans und dann der Nachtisch. Dazwischen Wasser und einen Merlot – Fertig! Ohne Pause, also dem Tempo der Bedienung folgend hätten wir alles in 25 Minuten „erledigt“.

Lecker? Mmmh? Wie man es nimmt – Hier war nix frisch angerichtet- aufgewärmt lautete an diesem Abend das Motto der Küche.

Während im Schankraum die Fröhlichkeit an Lautstärke zunahm, war bei uns im Nebensaal, mittlerweile waren wir alleine(!) bedrückendes Schweigen und weiterhin Entertainment by Radiorekorder angesagt. Ja selbst die sonst so eifrige Bedienung ließ sich nach dem üppigen Dessert – Bratapfel in der Größe eines Golfballs (wo wachsen so kleine Äpfel?) – und der damit verbundenen Erfüllung ihres Dienstleistungsauftrages nicht mehr blicken.

Also: Austrinken, anziehen – in den Schankraum – bezahlen, raus und weg.

Einmal mehr hat sich bestätigt, dass Unternehmen im Service stark differenziert agieren sobald Groupon ins Spiel kommt und König Kunde nach der Bezahlung nicht wirklich willkommen ist. Von Nachhaltigkeit keine Spur, nur der schnelle Euro scheint zu zählen. Einen Stammkunden jedenfalls hat dieser Groupon garantiert nicht generiert. Wie das wohl aussieht, wenn man über Groupon einen 10 Euro Haarschnitt oder 40 Euro Fallschirmsprung erwirbt …